Agenda Setting

Dass ausgerechnet jetzt wieder Paul Kirchof durch die Medien geistert, kann zufällig finden, wer mag. Nehmen wir mal an, es hätte eine Anregung an ihn aus Kreisen der Bundesregierung gegeben, sich doch mal wieder mit einem aus der Schublade gezogenen Papier zu Wort zu melden, gerade jetzt, da die FDP mit dem Steuersenkungsthema keine Punkte sammeln kann, nun, das würden wir doch einen klugen Schachzug nennen, oder nicht?

Ob die Strategie zieht, ist allerdings eine andere Frage. Vielleicht haben die Leute angesichts der Lage in Griechenland auch einfach andere Sorgen.

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Guerilla Pressearbeit

Es gibt ja zwei Sorten von Pressestellen. Diejenigen, bei denen Journalisten dauernd anrufen und diejenigen, bei denen fast nie jemand anruft. Bei denen man sich freut, wenn das Telefon klingelt – und dann ist es doch wieder eine Firma, die einem eine Medienresonanzanalyse verkaufen will. Was man dann natürlich nicht kauft, denn die paar Artikel, die über die eigene Institution erscheinen, kriegt man auch mit eigener Recherche noch zusammengesucht. Was macht man da, um hin und wieder mal Aufmerksamkeit zu bekommen? Man macht in Guerilla.

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco hatte so ein Problem wie oben beschrieben. Er stand im Schatten des großen Bruders Bitkom. Aber er hatte gegenüber Bitkom einen Vorteil: er hatte bei einigen Themen, bei denen der große Bruder aus Rücksicht auf seine heterogen zusammengesetzten Mitglieder ziemlich wischiwaschi agieren musste, eine klare Haltung. Eines dieser Themen war der Umgang mit Urheberrechtsverletzungen im Internet.

Unser großer Gegenspieler war hier der Bundesverband der Musikindustrie. Dort wollte man am liebsten, dass Internet Provider Polizei spielen und ihre Kunden nicht nur überwachen, sondern auch vom Internet abklemmen, wenn diese illegal downloaden oder – noch schlimmer – uploaden. Die Mitglieder von eco hingegen wollten Breitbandanschlüsse verkaufen und das Netz am Laufen halten, für den Nebenjob als Polizist wollten sie weder das Geld und Personal spendieren, noch hatten sie Interesse am daraus resultierenden Ärger und Rechtsstreit.

Als der Bundesverband der Musikindustrie seine Jahrespressekonferenz ankündigte, war mir sofort klar, dass dort wieder unangenehme Forderungen an unsere Mitglieder gestellt werden würden. Also meldete ich mich erstmal dort als Privatperson an. Mit meinem Blog. Was klappte. Dann telefonierte ich mich bei den Presseagenturen durch, bis ich schließlich den Kollegen hatte, der über die Jahrespressekonferenz berichtete. Und bot ihm eine pointierte Gegenmeinung zu dem an, was er dort hören würde.

Das kommt bei Presseagenturen in der Regel ganz gut an. Die verdienen ihr Geld nämlich besonders dann, wenn sie aus einem Ereignis mehrere Meldungen generieren können. Die erste Meldung heißt: „A hat gesagt…“. Dann folgt „Update: A sagte außerdem“ und so weiter. Schön ist es, wenn man dann noch „B widerspricht A“ melden und verkaufen kann, und am Ende des Tages dann eine Zusammenfassung.

Ich lauschte also der Pressekonferenz, machte meine Notizen. Und hinterher telefonierte ich mit dem Kollegen von der Nachrichtenagentur, nahm die gehörten Argumente auseinander, und lieferte ihm ein Zitat von meinem Chef. Ergebnis: Unser Gegenspieler veranstaltete eine Pressekonferenz, und wir waren endlich mal wieder in der Presse. Und es gab einen Journalist mehr, der uns kannte.

 

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Die Sprecherkonferenz

Als Pressesprecherin in einem Bundesministerium lernt man die Maschinen der Macht von innen kennen. Eines der vielen Rädchen, das die Maschine am Laufen hält ist eine altertümlich aussehende, aber doch abhörsichere und damit technisch vermutlich nicht ganz triviale Anlage, mit der die Pressereferate ihre morgendliche Konferenz abhalten. Es war ein Kasten im Büro unseres Chefs Thomas Weber, aus dem ein Mikro ragte. Er wies Leuchtknöpfe für jedes Ressort auf, und einen Knopf, den man drücken musste, um zu sprechen und von den anderen gehört zu werden.

Die Sprecherkonferenz begann um 10, mehr oder weniger pünktlich. Wenn der Kasten die Stimme des Regierungssprechers und Leiters des Bundespresseamtes vernehmen ließ, rief Thomas „es geht los“ und wir Stellvertreter stürmten aus unseren immer offenen Türen in sein Büro. Reihum war einer von uns dran, am Mikrofon nach genau feststehender Reihenfolge einen kurzen Bericht zur Presselage und zu geplanten Aktivitäten abzugeben. Thomas wies uns übrigens an, nichts allzu wichtiges preis zu geben. Große Interviews der Ministerin, solche die Pflöcke einschlagen, verschwieg man besser. Sonst pfuschte einem nachher noch der Kanzler oder der Innenminister dazwischen. Heute hatte Christian Arns den Job am Mikro, Thomas und ich saßen daneben.

Auf der Seite des Bundespresseamts leitete heute Charima Reinhardt die Sitzung. Sie ging die Aufmacher und Meldungen des Tages kurz durch. Zu diesem Zeitpunkt machte gerade ein Medikament einige Schlagzeilen, RU 486, auch bekannt unter dem Markennamen Mifegyne, mit dem man einige Tage „danach“ eine Schwangerschaft abbrechen kann. Die Debatte drehte sich um ethische Fragen des Umgangs mit einem solchen Werkzeug. Dieses Vorwissen setzte Frau Reinhardt natürlich voraus. Sie sagte bloß einen Satz: „Ich habe ein bisschen Bauchschmerzen wegen der Mifegyne.“

Blitzschnell drückte Christian den Sprechen-Knopf und sagte: „Das tut mir leid mit den Bauchschmerzen.“

Ich weiß nicht, wie die Sprecherkollegen in den anderen Ressorts reagierten. Vermutlich stöhnten sie auf oder schüttelten die Köpfe. Wir aber kicherten noch tagelang. Unser Chef auch.

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Neue Homepage

Menschen, die Kommunikation zu ihrem Beruf machen sind ja in der Regel eher nicht schüchtern, und sie reden auch gerne mal über sich selbst und ihre Arbeit. Das tun sie aber auf interessante Art und Weise, und sie wissen so manche lehrreiche Anekdote zu erzählen. Genau das habe ich mir für diese Seite hier vorgenommen.

Meine jüngste Erfahrung, die auch hinter diesem neuen Auftritt steckt lautet: Finger weg von Joomla! Es kostete mich Nerven und sah scheußlich aus. Mit WordPress arbeitet es sich sehr viel angenehmer. Ein wenig Geduld noch, nach und nach kommen hier die Inhalte!

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