Wer hat Angst vor Maritta Strasser?

Es ist keine Schande, das Schicksal mit Iliya Trojanow zu teilen. Wegen seiner Kritik an den Praktiken US-amerikanischer Geheimdienste wurde ihm eine Einreise in die USA verweigert. So wie mir heute. Und ebenfalls aus politischen Gründen.

Für Campact habe ich im letzten Jahr die Kampagne für eine stärkere Kontrolle der Geheimdienste geleitet, Anlass waren die Enthüllungen von Edward Snowden über die skandalösen Gepflogenheiten der US-Geheimdienste und ihrer Bündnispartner.

Ich war schon erbost, als mir die visumfreie Einreise über das System ESTA verweigert wurde. 120 Euro für ein Visum auszugeben, sich durch endlos lange Formulare zu quälen und in den weit außerhalb liegenden Berliner Stadtteil Dahlem in die US-Botschaft zu fahren ist durchaus lästig. Aber ich brauchte dieses Visum für die Vernetzung des transatlantischen Bündnisses gegen TTIP. Im Mai will dieses Bündnis in Washington parallel zur nächsten TTIP-Verhandlungsrunde den Standpunkt der Zivilgesellschaft deutlich machen. So wie wir es im März in Brüssel auch gemacht hatten.

Dass ich zu einer Dienstreise einreisen will, allein zu dem Zweck den Widerstand gegen TTIP zu organisieren und zu stärken, das hatte ich den Konsularbeamten natürlich wahrheitsgemäß angegeben. Ich hatte nicht gedacht, dass sie sich gegenüber einer NGO wie Campact so dünnhäutig zeigen würden. Ihre Ablehnung meines Visums sagt viel aus über die Macht, die unser Widerstand inzwischen in den Augen unserer Gegner hat. Und das ist vielleicht nicht die schlechteste Nachricht.

Die US-Botschaft macht mir einen Strich durch meine Reisepläne, aber ich werde über elektronische Medien vernetzt bleiben mit meinen Freunden jenseits des Atlantiks. Wenn die Beamten des US-Heimatschutzes meinen, mich mit ihrer kleinlichen Schikane einschüchtern zu können, dann täuschen sie sich gewaltig. Das Gegenteil ist der Fall, ich fühle mich bestätigt und ermutigt. Denn wenn der Gegner nervös wird, bestätigt es die eigene Stärke.

Die US-Botschaft gibt keine Gründe für eine verweigerte Einreise an. Sie fertigt Menschen wie mich und Ilja Trojanow mit einem blauen Zettel ab, auf dem mit dürren Worten nichts gesagt wird. Bizarres Detail am Rande: Ich wurde sogar bereits aufwendig vom Verfassungsschutz sicherheitsüberprüft, weil ich im Leitungsbereich eines Bundesministeriums tätig war.

Aber offenbar haben die USA doch etwas Muffensausen vor mir. Irgendwie, bei allem Ärger, schmeichelt das auch.

Update:
Bestimmt ärgert sich der Botschafter über diesen Artikel auf Spiegel Online zum Thema.

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3 Kommentare zu Wer hat Angst vor Maritta Strasser?

  1. Sabine Niels sagt:

    Zugriff auf deine Kommunikation haben sie ja auch hier – werden sich die Behörden gedacht haben. Wozu dann in die USA einreisen lassen? Und so wirst du prophylaktisch fein überwacht 🙂

  2. Tony sagt:

    Dies verdient eine Klage vor einem entsprechenden Gericht, gerade vor dem Hintergrund TTIP. Als Gegenleistung sollte man den Einreiseverbot für alle Monsanto, NSA, Nestlé, Koch Brothers, ….. verhängen

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